Als ich den Film “Die Boxerin” das erste Mal sah, war ich sehr irritiert. Zwar gewann er 2005 das Oldenburger Filmfest, doch den richtigen Sinn des Films kann man nicht nachvollziehen. Obwohl die Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel ihre Rolle sehr gut spielt und mit Manon Straché an ihrer Seite als Mutter eine gute Besetzung gelang, gibt es doch viele Ungereimtheiten. Die Hauptdarstellerin ist Johanna, die nur Joe genannt wird, und gerade den Weg ins Erwachsenenleben sucht.
Joe ist eher burschikos und sehr aggressiv einerseits, weshalb sie ständig ihren Job verliert, aber andererseits zu schüchtern, sich zur Wehr zu setzen. Die 19-Jährige entschließt sich, ihre Aggressionen beim Boxen abzureagieren, doch wird sie im Sportclub nicht akzeptiert, es kommt sogar fast zur Vergewaltigung durch die anderen Boxer.
Joe ist in ihrer Heimatstadt Eberswalde eher alleine, nachdem ihre beste Freundin Stella die Stadt verlassen hat und ihre Mutter Alkoholikerin ist. Mutter und Tochter sind beide arbeitslos, laut Film “Die Boxerin” als einzige Menschen der Stadt, was sehr unglaubwürdig erscheint, hat Eberswalde doch eine Arbeitslosenquote von 13 Prozent. Nach einiger Zeit kehrt Stella in die Stadt zurück, Joe wird lesbisch, entscheidet sich dann doch wieder um und kommt mit einem Proll zusammen, was ebenfalls recht unglaubwürdig erscheint. Alles in allem reihen sich die einzelnen Szenen in Die Boxerin aneinander, allerdings fehlte mir persönlich die eindeutige Entwicklung der Charaktere. Sie verändern sich am laufenden Band und man kann keinen Bezug zu ihnen herstellen, fand ich. Auch wenn der Film scheinbar beim Oldenburger Filmfest beeindrucken konnte, ist er wohl eher etwas für zwischendurch. Wirklich empfehlenswert sind dann jedoch andere Filme.